Mit dem Sommer ist es ja nie so, wie es sein sollte: zu heiß, zu viel Regen, zu schwül, zu kalt, zu windig. Niemandem kann man es recht machen. Da kommt das Buch „Life in Blue“ von Evžen Sobek genau richtig.


Berlin glich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht anders als andere deutsche Städte einem Trümmerfeld. Im Gegensatz zu Köln oder Dresden gab es aber ausgerechnet über die größte Stadt Deutschlands bislang kaum ein Fotobuch, dass diesen Zustand so veranschaulichte, dass es im kollektiven Gedächtnis als besonders eindrucksvoll gespeichert blieb.


Bei den Fotobuchverlagen hat sie längst einen festen Platz: die reportagehafte und dokumentarische Fotografie, die das Elend der ganzen Welt bezeugt. Wer kann und will dies alles noch sehen? Hat sich angesichts des Leids nicht längst eine stille Resignation eingestellt? Ist der Wunsch nach poetischeren und sinnlicheren Sujets nicht berechtigt?


Für die Ästhetik kommunistischer Baukunst scheint sich neuerdings auch die Fotografie zu interessieren. Fast könnte man das meinen, erschienen doch gleich zwei Fotobücher zur Architektur des Ostblocks, Bücher die unterschiedlicher kaum sein könnten und die zeigen, wie man Fotografie so oder so einsetzen kann. Beide Bücher sind als Kataloge zu Ausstellungen in Karlsruhe (Chaubin) bzw. Hannover und Hamburg (Bezjak) erschienen.


Guantánamo – wann immer wir dieses Wort hören, wirft unser Bildgedächtnis eine prägende Erinnerung aus: Männer in orangefarbenen Overalls, gefesselt an Händen und Füßen, kniend in riesigen Drahtkäfigen, bewacht von US-Soldaten mit schussbereiter Waffe in der Hand. Gefährlich, so lautet der Subtext dieser Bilder, sehr gefährlich sind diese Männer – Hardcore-Terroristen, Bin-Laden-Jünger. Heute weiß man:


„Der holländische Fotograf Bas Princen (*1975 in Zeeland) gehört zu einer Generation von Fotografen, die auf ganz eigenwillige Weise Bezug auf die sogenannten New Topographics nehmen.


Gregory Crewdson ist für seine Inszenierungen bekannt, die den Traum der amerikanischen Mittelklasse zu Alpträumen werden lassen.


Zwei schöne Damenbeine an ein Geländer gelehnt. Dahinter verschwimmt das Häusergewirr Manhattans im Nebel. Das Empire State Building ragt im Hintergrund phallisch empor ‑ horizontale Erotik, vertikale Architektur.


Sehr geehrter Herr Lieberknecht, offen gestanden verstehe ich Ihr neues Buch nicht oder nicht richtig. Sie zeigen darin öde Orte und nackte Frauen. Man könnte denken, dass diese mit jenen etwas miteinander zu tun hatten.


Das seit Jahren gewachsende Interesse an Fotobüchern hat Vor- und Nachteile. Zu letzteren gehört vor allem eine Verknappung des Angebotes an Klassikern des Genres, an denen das Interesse ungebrochen ist. Schön für den Handel, schlecht für alle, die sich diese Bücher einmal im Ganzen, am besten im Original, ansehen möchten.


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