Wie könnte heutzutage ein Buch über Elektrizität aussehen? Legt man den Fokus auf Transformatoren, Schaltpulte, Strommasten, Kabelstränge und Freileitungen, Isolatoren, Kühltürme?
Schafft man, wie im niederländischen Buch PLEM 1909 – 1959*, eine Mischung aus Porträt der zu versorgenden Region mit technischen Anlagen und informierenden Diagrammen? Auf diese Weise entstand ein bis heute faszinierendes Beispiel avantgardistischer Buchgestaltung. Oder konzentriert man sich auf großformatige Schwarzweißbilder in exquisitem Kupfertiefdruck wie bei dem deutschen Band VEW Energie**? Selbstverständlicih gibt es zu diesem Thema neben diesen beiden 1959 bzw. 1960 erschienenen Klassikern noch viele weitere Maßstäbe setzende Fotobücher…
Künftig muss man jedenfalls Stern von Laufenburg von Kaspar Thalmann (Jg. 1968) hinzuzählen. Das Buch des Architekten und Fotografen handelt von einem Knotenpunkt im Stromnetz, der am Rhein direkt an der Grenze zu Deutschland im schweizerischen Laufenburg liegt und seit 1958 eine wichtige Rolle für die Infrastruktur der europäischen Engergieversorgung spielt. Die sachlichen Information über die technischen und politischen Fragen des „Sterns“ ist in die Texte ausgelagert, die den mittleren Bogen des fadengehefteten, leider etwas zu straff gebundenen Buchblocks ausmachen. Jeder der vier Bögen mit den Bildern wird von einem silbrig eingefärbten Blatt eingefasst, was dem Buch zusammen mit den Vorsätzen auf dem gleichen Papier nicht nur einen Rhythmus, sondern auch metallische, bestens zum Thema passende Akzente verleiht. Die Fotos in ihrer grafischen Stringenz informieren nicht über technische Details, sondern schaffen eine Dynamik, die weit über das hinausgeht, was mit PLEM seinerzeit vorgelegt wurde. Die Druckqualität des (digital?) auf tiefmattes Papier gedruckten Buchs ist superb: Kein Raster stört das feine Lineament von Stromleitungen, die Strukturen von per Drohnenflug erfassten Gerätschaften am Boden oder die Verstrebungen aufstrebender Masten. Die oft strenge Geometrie, die sparsam eingesetzten Farben, gelegentliche Überlagerungen zweier Motive und die mal starken, mal zurückgenommenen Kontraste schaffen eine fast unwirkliche, jedenfalls beeindruckende Atmosphäre aus Technik und Ästhetik, die dem Generalthema – die unverzichtbare internationale Vernetzung – am Beispiel des Umspannwerks in Laufenburg mit Mitteln perfekt eingesetzter Buchkunst universelle Geltung verschafft.
Zwei Klassiker und das Buch von Thalmann: VEW Energie (1960), PLEM (1959) und Stern von Laufenburg (2025).
* PLEM 1909 – 1959, Maastricht: Provinciale Limburgsche Electriciteits-Maatschappij (PLEM), 1959, Gestaltung Dick Elffers, Fotos Cas Oorthuys (und andere)