Fast vergessen?

Eine Monografie würdigt Arvid Gutschow

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Arvid Gutschow (1900-1984) war Jurist und in der öffentlichen Verwaltung tätig, bekannt wurde er aber als (Hobby-)Fotograf mit einem Schwerpunkt an Veröffentlichungen um 1930. Er war damals nicht nur an wichtigen Ausstellungen des „Neuen Sehens“ beteiligt, sondern konnte mit See Sand Sonne (1930) auch eines der wichtigsten Fotobücher der Moderne vorlegen, ein Buch, das die Möglichkeiten des Fotobuchs auslotete, das Vorbildfunktion hatte und das seltsamerweise bislang von den Sammlern nicht allzu hoch geschätzt wurde. Ob sich das jetzt aufgrund der neuen Monografie endlich ändern wird? Auch Alfred Ehrhardt profitierte von Gutschow insbesondere in Hinsicht auf seine Arbeiten zu den Themen Meer und Dünen und von daher ist es leicht zu verstehen, dass die Alfred Ehrhardt Stiftung zu Gutschow nicht nur eine Ausstellung organisierte, sondern auch einen Katalog herausgab. Dieser umfasst Beispiele aus den Werkkomplexen Landschaft, Industrie/Technik und, bislang unbekannt, Dorfleben. Das Layout des Abbildungsteils mit wechselnden Bildformaten erinnert ganz entfernt an Gutschows Buch von 1930 und versucht, in ähnlicher Weise mit gestalterischen Mitteln Zusammenhänge herzustellen. Auch für den zweisprachigen Satz des Textteils hat der Layouter eine überzeugende Lösung gefunden. Zum Lesen gibt es eine Würdigung des fotografischen Werks, dazu noch eine Biografie und einige Zeilen der persönlichen Erinnerung eines Freundes von Gutschow. Bildverzeichnis und eine ausführliche Bibliographie runden den Band ab.

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Unverständlich ist allerdings, warum ausgerechnet ein zweites Buch Gutschows nur bibliografisch erwähnt und nicht in die Argumentation einbezogen wurde. Immerhin hatte es der auf dem Innentitel eigens genannte Fotograf mit (allen) 16 Bildtafeln illustriert: Sonne über Amrum (Textautor Albrecht Janssen, Otto Meißners Verlag Hamburg [1935]). Es handelt sich dabei wirklich nicht um ein avantgardistisches Meisterwerk á la See Sand Sonne, aber es wäre in diesem Zusammenhang wichtig für den Vergleich vor allem mit Renger-Patzschs „Autoren-Fotobuch“ (Odenthal in ihrem Text auf S.93) Die Halligen (1927) gewesen. Denn offensichtlich dienten Die Halligen als Vorbild für die Konzeption des Bildteils über Amrum. Warum? Das wird vielleicht jemand in der nächsten oder übernächsten Publikation über den nunmehr vor dem Vergessen bewahrten Fotografen ergründen.

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Gutschow 1930 und 1935 - Avantgarde und Heimatbuch

Gutschow 1930 und 1935 – Avantgarde und Heimatbuch

  • Titel: Arvid Gutschow
  • Untertitel: Bedeutend und fast vergessen
  • Bildautor: Arvid Gutschow
  • Textautor: Stefanie Odenthal, Andreas J. Büchting
  • Herausgeber: Stefanie Odenthal für die Alfred Ehrhardt Stiftung
  • Gestalter: Bastian Ruppik
  • Verlag: Hatje Cantz
  • Verlagsort: Ostfildern
  • Erscheinungsjahr: 2013
  • Sprache: deutsch, englisch
  • Format: 
  • Seitenzahl: 128
  • Bindung: illustriertes Hardcover
  • Preis: 35 Euro
  • ISBN: 978-3-7757-3536-0

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