Frauen in der Öffentlichkeit

Straßenfotografie in New York

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Seit 2011 bekomme ich von Holger Biermann jedes Jahre ein neues Büchlein mit seinen Fotografien, immer einem Thema gewidmet. Die Hefte sind nur postkartengross, aber mit immerhin 40 Seiten und etwa ebenso vielen Abbildungen.

Das neue Heft zeigt junge Frauen in New York aus meist knapper Entfernung fotografiert, näher dran als Gary Winogrand, manchmal auch geblitzt, doch nicht so impertinent, wie Bruce Gilden das tut. Der Frau auf dem Titel wird das Gesicht von ihrem Begleiter verdeckt, einige wenige haben den Fotografen gar nicht gecheckt, die anderen reagieren spöttisch, amüsiert, erfreut, kokett oder auch indifferent. Es ist bemerkenswert und witzig, dass kein Blick dem anderen gleicht. Trotz vieler freundlicher Reaktionen haben sich weitere Begegnungen wohl nicht ergeben, so jedenfalls deute ich den Buchtitel.

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Wir bekommen Kunde von New Yorker Sitten und Gebräuchen, insbesondere vom Auftritt der Frauen in der Öffentlichkeit, ihrer Kleidung, ihrer Haltung, ihres Verhaltens. Das ist Strassenfotografie, Alltagsbilder wie sie angeblich gar nicht mehr möglich sind. Mit seinen Strassenporträts betätigt sich der Fotograf auch als Chronist, der das Lebensgefühl einer Zeit für die Zukunft aufbewahrt. Vielleicht muss man ausser der Kamera nur sein Herz in die Hand nehmen und sich den Herausforderungen des Strassenlebens stellen. Holger Biermanns zumeist heiteren Frauenbilder legen nahe, dass er viel Spass beim „Knipsen“ gehabt hat.

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Von jüngeren Fotografen sehen wir immer öfter feine Bücher meist ihrer Studienarbeit, gut gedruckt und gebunden, doch der Inhalt würde vielleicht gerade ‘mal eine Bildstrecke von 8–10 Fotos in einem Wochenmagazin ergeben (wenn es noch solche Magazine gäbe, die Bildessays veröffentlichen). Etwas mehr Arbeit am Werk (und der eigenen Persönlichkeit) scheint mir oft ratsam, bevor es an die Öffentlichkeit getragen wird. Jedenfalls ist der Verkaufspreis dieser Frühwerke dem Herstellungs-Aufwand zwar angemessen, nicht jedoch dem Gewicht der bildnerischen und inhaltlichen Aussage.

Wie angenehm sind da Holger Biermanns kleine Hefte mit so viel bezwingenden Bildern, die man gern wiederholt betrachtet und versucht ist, die Situation nach zu vollziehen. Die Machart ist unprätentiös, der Produktionsaufwand gering, der Effekt höchst erfreulich.

  • Titel: Don‘t call me – I call you
  • Untertitel: New York Girls
  • Bildautor: Holger Biermann
  • Textautor: 
  • Herausgeber: 
  • Gestalter: 
  • Verlag: Eigenverlag des Fotografen
  • Verlagsort: Berlin
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Sprache: deutsch
  • Format: 14,8 x 10,4 cm
  • Seitenzahl: 40
  • Bindung: Broschüre
  • Preis: 5 Euro
  • ISBN: ohne

Eine Antwort zu Frauen in der Öffentlichkeit

  1. Lieber Hansgert,
    es scheint mir,dass Holger Biermann (schöner Name!!!) Deine “Strassenbekanschaften” nicht kennt oder umgekehrt – gut kennt d.h., er hat Dir Dein Thema geklaut. Nur der Titel und Schauplatz sind andere… Mit herzlichsten Grüssen Jan

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