Karl-Ludwig Lange

Stadtfotograf in Berlin

Langeg

Karl-Ludwig Lange ist der große Unbekannte unter den Berliner Fotografen. Zu Recht ist er in Koetzles Lexikon der Fotografen vertreten, doch wer meint, daß dieser Ritterschlag eine Akzeptanz auf dem Kunstmarkt bedeutete, sieht sich getäuscht. Seine Arbeiten verweigern sich modischem Styling und einer gestalterischen Attitüde, sind scharf, detailreich, schwarzweiß, kleinformatig und damit genau nicht so, wie es die meisten Galeristen heute gern für ihre Kundschaft hätten. Inhaltlich ist ein Interesse an der Analyse des Phänomens Stadt unverkennbar, was den Fotografen bis hin zur Beschäftigung mit den Backsteinen führte, aus denen man die Häuser errichtete. Langes Serien sind nicht in Wochen oder Monaten fertig, sondern erst nach Jahren oder Jahrzehnten intensiven Forschens, Schauens und Auswählens. Lange weiß, was er fotografiert. Seine scheinbar sachlichen und objektiven Darstellungen kann man als Illustration architektonischer und topographischer Themen verstehen – sie sind aber immer viel mehr, nämlich sichtbarer Ausdruck von Langes Konzept einer fotografischen Durchdringung von Urbanität.

Berlin gibt Lange die Motive, die er braucht. Konsequent dokumentiert der Fotograf die Stadt, in der er seit über 30 Jahre lebt. Fotografierend schuf er einen Kosmos aus Verkehrsadern, Hausfassaden, Straßenszenen und das berühmteste Bauwerk der Stadt, die Mauer. Von Lange gab es dazu seit seiner grandiosen Eigenproduktion „Grenzwechsel“ aus dem Jahre 1994 nicht viel Gedrucktes zu sehen. Während dieses Buch die atemlose Atmosphäre der von Ost nach West und von West nach Ost flutenden Menschenmassen Ende 1989/Anfang 1990 im Wechsel mit stillen Blicken in das exotisch-nostalgisch anmutende Ostberlin zu einer Bildstrecke höchster Intensität verdichtete, erscheint Langes jüngste Publikation deutlich ruhiger und distanzierter. In seinen zumeist menschenleeren topographischen Panoramen gelingt Lange spielend der Spagat zwischen der Erkennbarkeit einer stadträumlichen Situation und einer ins surreale spielenden gestalterischen Qualität.

Der hervorragend gedruckte Ausstellungskatalog aus dem ex pose verlag hat nur einen Mangel: Er ist zu dünn, nach 21 Arbeiten hört der Spaß schon auf. Trotz der vielen Fotobücher zu Berlin und zur Mauer: Das definitive Werk über die geteilte und wieder zusammenwachsende Stadt gibt es noch nicht. Vielleicht ist Karl Ludwig Lange nicht der einzige, der diese Stadt durchschaut hat. Aber er hat die passenden Bilder dazu. Erhielte der Fotograf doch nur die Chance, sein Wissen um Berlin in Form einer umfassenderen Monographie mitzuteilen!

PS Die erste Auflage war sehr schnell ausverkauft – Fotograf und Verleger wagten eine zweite, überarbeitete Auflage. Auf Langes definitives Berlin- und Mauerbuch warten wir leider noch immer…. (30.1.2012).

  • Titel: Topographie der Berliner Mauer 1973-1990
  • Untertitel: 
  • Bildautor: Karl-Ludwig Lange
  • Textautor: Andreas Krase, Vorwort Katrin Passens (1.Aufl.) oder Christoph Sanders (2.Aufl.)
  • Herausgeber: Dokumentationszentrum Berliner Mauer (1.Aufl.)
  • Gestalter: Martin Hoffmann
  • Verlag: ex pose verlag
  • Verlagsort: Berlin
  • Erscheinungsjahr: 2005, 2.Auflage 2008
  • Sprache: deutsch, Vorwort auch englisch, französisch
  • Format: 
  • Seitenzahl: ohne Paginierung
  • Bindung: Klappenbroschur
  • Preis: 16 Euro
  • ISBN: 3-925935-51-7

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