Literatur fotografisch

Ein „Bildband“ von Rainald Goetz

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„Kunst soll unverständlich sein“ (S.197). Wenn nicht, dann doch wenigstens witzig (S.28 oder 186). Zwischen diesen beiden Polen lässt sich das fotografische Tagebuch von Rainald Goetz einordnen. Statt eines neuen Romans über das politische Berlin ein schwarzweißes, chronologisch in drei Kapitel „In den Ruinen der Projekte“, „Ruine“ und „Werkwärts 3 & 4“ (jedoch nach dem Impressum: „Werkwärts 2 & 3“) sortiertes Fotobuch, warum nicht. Ähnliches haben auch schon andere gemacht, Einar Schleef zum Beispiel. Die Kamera hatte Goetz immer zur Hand, als Beobachter der Bundesversammlung 2010 oder als Flaneur durch die Partyszene oder vor dem Fernseher, aus dem Ulrich Wickert die Katastrophe des 11.9.2001 verkündet (S.78, sogar mit einbelichtetem Aufnahmedatum!). Goetz rezipierte neben viel gemalter Kunst auch die fotografierte von Wolfgang Tillmans („Bilder und Menschen: Idee der Kunst“, S.180) oder Thomas Struth (S.94, 114). Goetz hat den Bildseiten Titel mit auf dem Weg gegeben. Darunter sind bedeutungsoffen abgehackte Solitäre („Faune, die oft gewaltige“, S.50), die aber mit ihrem Vorgänger („Schröder betritt den Reichstag durch den Nordeingang“, S.48) und Nachfolger („empfindungskomplexe Molekülmodelle“, S.54) Assoziationsräume öffnen. Man begegnet Prominenz wie Gerhard Schröder, Franz Müntefering, Harald Schmidt, Journalisten oder Leuten aus dem offenbar großen Bekanntenkreis des Autors. Der Blick auf die Straße mit einer Baustelle und einer Bogenlampe langweilte (S.19-23).

Und was muss man sonst noch wissen über „Band 4 des Buches Schlucht“? Der Verlag teilt mit: „Neun Jahre elfter September. 11. September, Datum des Jahrzehnts. Ein Bildtagebuch der letzten neun Jahre. Im Augenblick, Frühherbst 2010. Wie sieht die Welt aus im Moment hier in Berlin. Wie war es in diesen Jahren. Was hat Rainald Goetz gesehen. Wie schaut es aus für ihn: das Gemachte, das, was da ist, das Kaputte, das Normale, der Alltag. Wie sieht er die Welt. Eben so, wie man hier sieht. Schau. Jeder Satz sagt nein, und jedes Bild sagt ja. Wohnen, Wachen, Träume. Trümmer, abstrakt, Lichtvorfall. Was wird ausgeblendet, was wird übersehen, was wird nicht gezeigt, wovon abzusehen wäre. Eine Weltsicht, eine implizite Ethik. Ein Bildtagebuch von Rainald Goetz.“ Noch Fragen? Jetzt nicht. Später. Vielleicht.

 

  • Titel: Elfter September - 2010
  • Untertitel: 
  • Bildautor: Rainald Goetz
  • Textautor: Rainald Goetz
  • Herausgeber: 
  • Gestalter: 
  • Verlag: Suhrkamp Verlag
  • Verlagsort: Berlin
  • Erscheinungsjahr: 2010
  • Sprache: deutsch
  • Format: 
  • Seitenzahl: 224
  • Bindung: Leinen, Schutzumschlag
  • Preis: 34,90 Euro
  • ISBN: 978-3-518-42207-6

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