Phänomene des Fotobuchs …

… in Barcelona

Phenomenon_Box

Auf eine weitere neue Publikationen über Fotobücher muss unbedingt hingewiesen werden: Photobook Phenomenon, erschienen zu einer großen, noch bis August laufenden Ausstellung in Barcelona.

So wie die Ausstellung versucht auch sich der Begleitband an einer nicht alltäglichen, innovativen Auseinandersetzung mit dem vielgestaltigen Thema. Ähnlich wie vor Jahren mit der Katalogbox des Kölner PhotoBookMuseums wurde kein einzelnes Buch vorgelegt, sondern zu jedem Ausstellungskapitel eine eigene Broschüre. Diese werden in einer verschlossenen Pappschachtel geliefert.

Phenomenon_Verschluss

Phenomenon_offen

Phenomenon_Broschüren

Öffnet man die Schachtel durch Abziehen des Siegels, zeigen sich acht fadengeheftete Broschüren und ein gefaltetes Plakat mit dem Titelmotiv. Auf der Rückseite des Plakats findet man dann auch das Impressum und weitere technische Daten. Die individuell gestalteten Broschüren entsprechen den acht Kapiteln der Ausstellung. Thematisiert werden u.a. japanische Fotobücher, das Thema Protest vs. Propaganda und Künstlerbücher. Martin Parr stellt seine persönliche Auswahl der 57 für ihn „besten“ Fotobücher vor, bemerkenswerterweise fehlt darin Robert Franks Americans (1958), unbestritten eines der wichtigsten und einflussreichsten Fotobücher überhaupt, wenn auch nicht unbedingt in Hinsicht auf das Buchdesign. Nebenbei: Zu den 57 „Parr´s best“ gehört auch eine Arbeit von Hans Eijkelboom, einer der wenigen(?) Fotokünstler auf der diesjährigen documenta.

Phenomenon_Parr

Die von Markus Schaden und Frederic Lezmi stammende Annäherung an William Kleins New York (1956) ist assoziativ zu verstehen, nicht kunstgeschichtlich. Begriffe wabern durch das mit wenigen Einblicken in Kleins Kontaktbögen illustrierte Booklet; die Atmosphäre der Metropole wird durch eine entsprechende typografische Gestaltung als Übersetzung von Kleins Bilder in Text greifbar. Funktioniert aber vermutlich besser in der Ausstellung.

Phenomenon_1

Horacio Fernandez´ These, dass eine Bibliothek viel über dessen Besitzer aussagt, ist eine sympathische Vorstellung. Die von Moritz Neumüller und Lesley A. Martin stammenden Texte der in die Ausstellungsthematik einführenden Broschüre behandeln das Fotobuch als vielgestaltiges, nicht einfach zu definierendes Phänomen, das es zwar schon lange gab, aber das erst in den letzten 15 Jahren die Wertschätzung findet, die es als sehr spezielle Darreichungsform zwischen Dokumentation, Kunst, Bildbericht und Design verdient. Nicht zuletzt ist die Ausstellung in Barcelona ein Indiz für die zunehmende und seriöse Rezeption des Fotobuchs als fotografisches Ausdrucksmittel.

Die Ausstellung hätte ich gern gesehen. Die umfangreiche Website (inkl. einer jeden Sammler überfordernden Liste der ausgestellten Bücher!) verspricht eine phänomenale Präsentation. Auch der „Katalog“ macht neugierig – und ist mehr als ein Trostpflaster.

Phenomenon_Flyer

Flyer der Ausstellung in Barcelona

 

  • Titel: Photobook Phenomenon
  • Untertitel: 
  • Bildautor: 
  • Textautor: Gerry Badger, Horacio Fernández, Ryuichi Kaneko, Erik Kessels, Frederic Lezmi, Lesley A. Martin, Irene de Mendoza, Moritz Neumüller, Martin Parr, Markus Schaden
  • Herausgeber: Moritz Neumüller
  • Gestalter: Ramon Pez Studio
  • Verlag: RM
  • Verlagsort: Barcelona
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Sprache: englisch, spanisch oder katalanisch
  • Format: 25,6 x 19,0 cm
  • Seitenzahl: 112
  • Bindung: acht Broschüren in Pappschachtel
  • Preis: 28 Euro
  • ISBN: 978-84-17047-05-4 (english), 978-84-17047-03-0 (català), 978-84-17047-04-7 (castellano)

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