Zeichen für Amerika

Peter Granser, Signs

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Schmuddelig ist das in weiße Leinwand gebundene neue Buch von Peter Granser schon, als es noch ungeöffnet in seiner Schutzfolie auf dem Tisch liegt. Was ist da los? Der Dreck ist tatsächlich aufgedruckt, praktisch für pingelige Sammler, denn die nächsten Fingerflecken auf dem Cover werden kaum auffallen. Passt diese Gestaltung eines abgegriffen wirkenden Buches zum Inhalt? Man könnte an ein um die Ecke gedachte Verbeugung vor Walker Evans „American Photographs“ (1938) denken, ein Buch, das wie eine viel benutzte Bibel oder ein volkstümliches Gesangbuch gebunden war. Öffnet man die Folie, erwartet den Leser die zweite Überraschung: der Textteil ist gleich am Anfang auf dünneres und im Format kleineres Papier gedruckt. So etwas sieht man in der letzten Zeit öfters, die Trennung zwischen Bild und Text wird dadurch besonders deutlich.

Was zeigen die Bilder? Granser hat sie auf seinen Reisen durch die USA mitgebracht. Es sind jeweils quadratische Formate, mit einer Ausnahme auf der rechten Seite stehend. Es gibt auch eine Doppelseite mit zwei gegenüberliegenden Fotos und zwei Seiten zum Ausklappen mit je einem Triptychon. Ein Index am Ende ordnet die Farbbilder in Gruppen.

Granser zeigt Zeichen und Symbole, Inschriften, Flaggen, historische Orte aus dem Repertoire des amerikanischen Traums bis hin zu nebeneinanderliegenden Kieshaufen unterschiedlicher Färbung (dunkelbraun, hellbraun, weiß!), Grabsteinen, Wandbildern von Ölpumpen, Willkommenstransparenten, Kreuzen, Kirchen und einer Markierung am Platz, an dem John F. Kennedy erschossen wurde. Das darauf folgende Bild bringt das Graffiti „The FBI Did it!“ – den Zusammenhang kann der Betrachter selbst herstellen. Die Bilder zitieren die Inkunabeln der amerikanischen Selbstfindungsfotografie à la Walker Evans, Robert Frank, Lee Friedlander, Robert Adams, Stephen Shore genauso wie die Pop Art à la Ruscha und Hockney. Außerdem sind sie dem Konzept des entscheidenden Momentes verpflichtet. Dem Fotografen ist es mit seinen lakonischen, hin und wieder ironischen Arbeiten voller Querbezüge gelungen, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der Heimat der großen Mythen und der sendungsbewussten Politiker ein treffendes Portrait abzuringen. Welche „Zeichen“ würde Granser wohl in Deutschland fotografieren?

  • Titel: Signs
  • Untertitel: 
  • Bildautor: Peter Granser
  • Textautor: Karen Irvine, Barry Vacker
  • Herausgeber: 
  • Gestalter: 
  • Verlag: Hatje Cantz
  • Verlagsort: Ostfildern
  • Erscheinungsjahr: 2008
  • Sprache: deutsch, englisch
  • Format: 
  • Seitenzahl: 132
  • Bindung: Leinen
  • Preis: 39,80 Euro
  • ISBN: 978-3-7757-2157-8

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